Elektrisches Müllfahrzeug für Genfs Strassen

04. September 2020 – Die in Genf ansässige Serbeco Gruppe setzt bei der Müllsammlung auf einen neuen, vollelektrischen Lastkraftwagen. Das 32-Tonnen Fahrzeug ist überraschend leise, emissionslos und effizient unterwegs. Die Fahrzeugtechnologie stammt aus der Schweiz.

Seit wenigen Tagen sammelt auf Genfs Strassen ein elektrischer Lastkraftwagen. Betrieben von der Serbeco Gruppe, kommt das Fahrzeug für die Leerung von Unterflurcontainern zum Einsatz. Die Recyclinglogistik ist prädestiniert für die Elektrifizierung. In dieser Mobilitätsnische sind die Routen begrenzt und klar definiert. Im sogenannten Stop-and-Go-Betrieb bei der Sammlung der Abfälle verursachen herkömmliche Lastkraftwagen Lärm- und Schadstoffemissionen in Wohngebieten. Ein elektrisches Modell hingegen ermöglicht eine schnellere, geräuscharme Beschleunigung und erlaubt die Rückgewinnung der beim Bremsen freigesetzten Energie. Dabei ist der Lastwagen lokal emissionsfrei unterwegs. „Die Recyclinglogistik der Zukunft ist elektrisch und verursacht damit weniger CO2-Emissionen und Lärm“, sagt Bertrand Girod, Generaldirektor der Serbeco Gruppe. Die Unternehmung setzt schon länger im grossen Stil auf regenerative Energien. Die eigene 1’100 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage versorgt Elektrofahrzeuge und -maschinen mit Strom. Fahrzeuge mit Verbrennungsantrieben tanken Recycling-Biodiesel. Geheizt wird der Betrieb – ebenfalls erneuerbar – mit Holzschnitzeln.

Schweizer Fahrzeugtechnologie aus Winterthur

So besonders, wie die Charakteristik des Fahrzeugs, ist dessen Herkunft. Der Elektrolastwagen der Marke Futuricum stammt aus der Schweiz. Gebaut wurde er von der Designwerk Products AG, einer Unternehmung mit Sitz in Winterthur, die sich ausschliesslich der Elektromobilität verschreibt. Als Basis für das elektrifizierte Serbeco-Fahrzeug dient ein vierachsiges Chassis von Volvo. Für seinen Antrieb sorgen vier Elektromotoren, die auf ein Sammelgetriebe einwirken. So verfügt das Fahrzeug über stolze 680 PS. Den Strom speichern zwei Batterien, die ausreichend Energie für die täglichen Sammeltouren ohne Zwischenladungen liefern. Geladen werden die Stromspeicher über Nacht. Sie erlauben dem Fahrzeug, Reichweiten von 150 Kilometern im Sammelbetrieb inklusive Kranbewegungen abzudecken. Auch der individuelle Aufbau des Fahrzeugs wird elektrisch betrieben. Dafür kooperiert der Hersteller partnerschaftlich mit der Contena-Ochsner AG, der Lieferantin des Pressmüllaufbaus. Mit elektrischen Müllfahrzeugen bieten die Schweizer Unternehmen ein beachtliches Mass an Innovation. Dank dieser werden nicht nur Genfs Strassen, sondern auch die Luft reingehalten.

Infobox Fahrzeug

  • Marke: Futuricum
  • Typ: Collect Crane 32E
  • Hersteller: Designwerk Products AG
  • Basischassis: Volvo FM
  • Leistung: 500 kW / 680 PS
  • Batterie: 2 x 170 kWh = 340 kWh (bei Modell Large, HVB-170-400)
  • Ladetechnik: 44 kW On-Board
  • Übersetzung: 1-Gang-Getriebe, Schalt- und Kupplungsfrei
  • Aufbau: Contena-Ochsner Stummer Medium XLS, mit Notter Dachkran für Unterflurcontainer
  • Verbrauch: 190 kWh pro 100 km im Sammelbetrieb. Dies entspricht einem Dieseläquivalent von 19,6 l/100km (zum Vergleich: die Dieselfahrzeuge der Einsatzbetriebe haben einen Verbrauch von durchschnittlich 90 l/100km).

Über Futuricum

Futuricum ist eine Nutzfahrzeugmarke der Firma Designwerk Products AG, die in Winterthur in Zukunft bis zu 200 vollelektrische Fahrzeuge im Jahr baut. Die Marke entspringt einem Leuchtturmprojekt, welches die Entwicklung und den Bau von wirtschaftlichen und ökologischen 26-Tonnen-E-LKW bezweckte. Die Kernkompetenzen der Unternehmung erlauben die Elektrifizierung verschiedenster Fahrzeugaufbauten sowie Umrüstungen. Damit bietet Futuricum individuelle Lösungen in den Bereichen der Recycling-Logistik, Verteillogistik, Intralogistik, Baulogistik, Landwirtschafts- und Forstlogistik sowie von anderen Transporten. Die Marke Futuricum ist eine Hommage an die einstigen Zürcher Fahrzeugbaupioniere von Turicum. Damit einher gehen ein Zukunftsversprechen und das Bekenntnis zum Schweizer Industriestandort. Davon zeugt auch der geschichtsträchtige Winterthurer Firmenstandort auf dem ehemaligen Peter-Areal.